Sonstige Mitteilungen | 24.03.2026
Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken stellt ihren Berufsbildungsbericht 2025 vor: Mit 1.667 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zählt das Handwerk im Kammerbezirk Heilbronn-Franken erstmals seit 2022 wieder mehr als 4.000 Auszubildende.
Der aktuelle Berufsbildungsbericht der Handwerkskammer Heilbronn-Franken verdeutlicht: Das Handwerk gewinnt bei Jugendlichen zunehmend an Attraktivität. Bis zum Stichtag 31. Dezember 2025 haben im laufenden Ausbildungsjahr insgesamt 1.667 junge Menschen im Kammerbezirk eine handwerkliche Ausbildung begonnen. Gegenüber den 1.573 Neueintragungen im Vorjahr bedeutet dies ein deutliches Plus von 94 Auszubildenden (+6,0 Prozent).
Alle Landkreise legen zu
„Das Handwerk ist vielfältig, sinnstiftend und bietet dank mehr als 130 Ausbildungsberufen jedem die Chance, seine persönlichen Stärken zu entfalten. Mit unseren praxisorientierten Maßnahmen wollen wir junge Menschen nachhaltig für das Handwerk begeistern und Handwerksbetriebe bei der Nachwuchsgewinnung unterstützen. Wir freuen uns daher sehr über die vielen Jugendlichen, die sich für eine Zukunft im Handwerk entschieden haben“, sagt Kerstin Lüchtenborg, Abteilungsleiterin Berufsbildung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.
Die regionale Entwicklung zeigt, dass alle vier Landkreise des Kammerbezirks mehr Handwerksnachwuchs begrüßen durften. Der Landkreis Heilbronn stellt mit 615 Auszubildenden die meisten Ausbildungsanfänger (+8,1 Prozent). Dahinter folgen der Landkreis Schwäbisch Hall mit 408 Auszubildenden (+6,3 Prozent), der Main-Tauber-Kreis mit 241 Auszubildenden (+11,1 Prozent) und der Hohenlohekreis mit 184 Auszubildenden (+1,1 Prozent). Lediglich im Stadtkreis Heilbronn gibt es mit 219 Auszubildenden einen leichten Rückgang von 0,9 Prozent.
Von den 1.667 Ausbildungsanfängern im Kammerbezirk verfügen 715 Auszubildende (42,9 Prozent) über einen mittleren Bildungsabschluss. Es folgen 577 Auszubildende mit Hauptschulabschluss (34,6 Prozent) und 232 Auszubildende mit Abitur/Hochschulreife (13,9 Prozent). 75 Auszubildende (4,5 Prozent) haben einen anderen Schulabschluss (beispielsweise einen Förderschulabschluss oder einen im Ausland erworbenen Schulabschluss) und 68 Auszubildende haben keinen Schulabschluss (4,1 Prozent).
Klimahandwerke besonders gefragt
Aufgrund der hohen Zahl an Ausbildungsanfängern ist auch die Gesamtzahl der Auszubildenden im Handwerk gestiegen – von 3.868 zum Jahresende 2024 auf 4.023 zum Jahresende 2025 (+4,0 Prozent). Damit gibt es aktuell erstmals seit dem Jahresende 2022 wieder mehr als 4.000 Auszubildende im Kammerbezirk. „Die Ausbildung junger Menschen ist eine lohnenswerte Zukunftsinvestition, von der unsere Betriebe mittel- und langfristig profitieren werden. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel sind die steigenden Ausbildungszahlen ein starkes Signal für die Zukunftsfähigkeit unserer Region“, betont Kerstin Lüchtenborg.
Für die anstehenden Transformationsprozesse beim Klimaschutz sowie bei der Energie- und Mobilitätswende spielt das Handwerk eine Schlüsselrolle. Diese Entwicklung spiegelt sich auch darin wider, dass die drei beliebtesten Ausbildungsberufe allesamt zu den sogenannten Klimahandwerken gehören. An der Spitze liegen wie im Vorjahr die Kraftfahrzeugmechatroniker mit 578 Auszubildenden (+5,9 Prozent), gefolgt von den Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 394 Auszubildenden (+3,7 Prozent) und den Elektronikern mit 343 Auszubildenden (-1,2 Prozent).
Im Kammerbezirk gibt es 3.244 männliche (80,6 Prozent) und 779 weibliche (19,4 Prozent) Auszubildende. Bei den weiblichen Auszubildenden sind die drei beliebtesten Ausbildungsberufe Friseurin mit 124 Auszubildenden, Kauffrau für Büromanagement mit 120 Auszubildenden und Konditorin mit 45 Auszubildenden. 3.174 Auszubildende (78,9 Prozent) haben die deutsche und 849 Auszubildende (21,1 Prozent) eine ausländische Staatsangehörigkeit. Davon kommen insgesamt 228 Auszubildende aus Asylzugangsländern wie Syrien, der Ukraine oder Afghanistan, 106 aus der Türkei und 69 aus Vietnam.
Den detaillierten Berufsbildungsbericht 2025 finden Sie unter www.hwk-heilbronn.de/berufsbildungsbericht-2025
Das neue Landesprojekt „Next Generation Handwerk“ begeistert für die Betriebsnachfolge, qualifiziert für die Selbstständigkeit und bringt Übergeber und Übernehmer zusammen
Bis 2030 stehen in der Region Heilbronn-Franken rund 3.000 Handwerksbetriebe zur Übergabe an - doch häufig fehlt es an potenziellen Übernehmerinnen und Übernehmern.
„Muss ein Betrieb schließen, wird eine große Chance vertan, denn die Übernahme eines etablierten Unternehmens bringt vor allem in der Anfangsphase viele Vorteile“, erklärt Sascha Grimm-Neumann, Abteilungsleiter Unternehmensberatung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Genau hier setzt das Landesprojekt „Next Generation Handwerk“ der baden-württembergischen Handwerkskammern an, das die Nachfolgesituation im Handwerk nachhaltig verbessern soll.
„Mit gezielten Maßnahmen wollen wir potenzielle Chefs für die Nachfolge begeistern, in der ‚Generation-H-Academy‘ für die Selbstständigkeit qualifizieren und mit einer neuen Vermittlungsplattform Übergeber und Übernehmer zusammenbringen“, fasst Abteilungsleiter Sascha Grimm-Neumann die Zielsetzung des bis Ende 2026 laufenden Projekts zusammen, das vom Land Baden-Württemberg im Rahmen der Kampagne „Nachfolge BW“ gefördert wird.
Übernahme gibt Sicherheit
Die Vorteile einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge kennt die Bestatterin Anette Dölzer-Nachtmann aus eigener Erfahrung. Sie hat die Trauerhilfe Emmerling in Großrinderfeld übernommen. Heute ist sie sich sicher, die Übernahme war der richtige Weg: „Der größte Vorteil der Übernahme war für mich die Erfahrung der Mitarbeiter. Das gibt Sicherheit - fachlich und menschlich“, erzählt die Bestatterin. Die Unterstützung der Handwerkskammer habe dabei eine wichtige Rolle gespielt: von der Finanzierung über die Erstellung eines Businessplans bis hin zur Wahl der richtigen Gesellschaftsform.
Damit künftig mehr potenzielle Nachfolger dem Vorbild der Unternehmerin folgen, setzt das Projekt „Next Generation Handwerk“ auf vier ineinandergreifende Schritte.
Neues Qualifizierungsangebot
Die Handwerkskammern sind im März mit einer umfassenden Kommunikationskampagne gestartet. Das Ziel: potenzielle Betriebsnachfolger mit informativen Inhalten und emotionalen Geschichten ansprechen und rekrutieren - der Fokus liegt klar auf Online-Marketing und Social Media.
Auch die Qualifizierung rückt in den Mittelpunkt: „Um die Chefs von morgen ideal auf eine Betriebsübernahme und ihre Rolle als Führungspersönlichkeit vorzubereiten, wurde mit der ‚Generation-H-Academy‘ ein neues Qualifizierungsangebot geschaffen“, erläutert Grimm-Neumann. Vier unterschiedliche Module an den Standorten Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Ulm vermitteln das nötige Fachwissen für eine erfolgreiche Übernahme. Gleichzeitig können sich angehende Unternehmer vernetzen und Erfahrungen austauschen. „Damit die Übernahme gelingt, schließen die verschiedenen Academy-Module genau die Wissenslücken, die häufig bei Betriebsnachfolgen auftreten“, so der Unternehmensberater. Das Modul „Handwerksbetrieb kaufen & Übernahme umsetzen“ findet am 17./18. April 2026 in den HWK-Bildungsakademien in Karlsruhe sowie am 24./25. April 2026 in Stuttgart statt. Das Modul informiert zu den entscheidenden Schritten einer Übernahme - von Übergabevarianten über die Entwicklung eines Zeitplans bis zur Vertragsgestaltung.
Das perfekte Match finden
Damit Übernehmer und Übergeber bald noch schneller zueinander finden, geht im Sommer 2026 eine neue Matching-Plattform an den Start. Neben der Matching-Funktion bietet die Plattform bereits jetzt Informationen zur Nachfolge im Handwerk, zu Unterstützungsangeboten und zu den Academy-Modulen.
Begleitet werden die Maßnahmen von einem umfassenden und individuellen Beratungsangebot: „Die betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammern unterstützen mit ihrem Fachwissen sowohl Übergeber als auch potenzielle Übernehmer individuell, neutral und kostenfrei - und das im gesamten Prozess“, sagt Grimm-Neumann. Ergänzend zum Beratungsangebot veranstaltet die Handwerkskammer Heilbronn-Franken auch Netzwerkveranstaltungen zum Thema Betriebsnachfolge, zu der sowohl Betriebsübergeber als auch potenzielle Übernehmer eingeladen sind. Die nächste findet am Montag, 20. April 2026, um 16 Uhr im Mittelstandszentrum Tauberfranken in Bad Mergentheim statt (Anmeldefrist: 13. April). Anmeldung und weitere Infos unter: www.hwk-heilbronn.de/netzwerkveranstaltung
Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter: www.hwk-heilbronn.de/ngh sowie auf der Plattform www.nachfolge-im-handwerk.de