Sonstige Mitteilungen | 07.04.2026
Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage im Handwerk für das erste Quartal 2026
Die Konjunktur im Handwerk der Region Heilbronn-Franken erlebt einen außergewöhnlich schwachen Jahresbeginn. Vor dem Hintergrund globaler Krisen und wirtschaftspolitischer Unsicherheiten – aktuell insbesondere durch den Iran-Krieg – lag die Geschäftslage im ersten Quartal 2026 auf einem Niveau wie zuletzt im ersten Quartal 2010 während der Finanzkrise.
Geschäftslage im Sinkflug
Nur noch 36 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“. Damit liegt der Wert 10 Prozentpunkte unter dem des Vorjahresquartals (Q1/2025). So niedrig war der Wert zur Beurteilung der Geschäftslage zuletzt im ersten Quartal 2010, als er bei 27 Prozent lag. Belastend wirkt zudem, dass der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als „schlecht“ bezeichnen, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozentpunkte von 22 auf 29 Prozent gestiegen ist. 35 Prozent der Betriebe stufen ihre Geschäftslage momentan als „befriedigend“ ein (Q1/2025: 32 Prozent).
Die Geschäftslageerwartungen für das zweite Quartal 2026 lassen wenig Hoffnung auf Besserung erkennen: 24 Prozent der Betriebe rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Situation. Mit 49 Prozent prognostiziert knapp die Hälfte der Betriebe eine unveränderte Geschäftslage. 28 Prozent erwarten im nächsten Quartal eine Verbesserung, was zu einem leicht positiven Saldo von 4 Prozentpunkten bei den Geschäftserwartungen führt. In der Vergangenheit stiegen die Erwartungen im ersten Quartal eines Jahres im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres zumeist deutlich an – in diesem Jahr ist das nur in geringerem Umfang der Fall. Es wird lediglich eine sehr verhaltene Frühjahrsbelebung erwartet.
Spürbare Auftrags- und Umsatzeinbußen
Auch die Auftragseingänge sind deutlich rückläufig: So berichten 45 Prozent der Betriebe von gesunkenen (Q1/2025: 40 Prozent), 39 Prozent von unveränderten (Q1/2025: 37 Prozent) und lediglich 16 Prozent von gestiegenen (Q1/2025: 23 Prozent) Auftragseingängen im ersten Quartal 2026. Insgesamt ergibt sich ein negativer Auftragslagesaldo von 28 Prozentpunkten. Für das kommende Quartal erwarten 24 Prozent der Betriebe steigende, 50 Prozent gleichbleibende und 26 Prozent sinkende Auftragseingänge.
44 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk hatten zuletzt Umsatzrückgänge zu verzeichnen (Q1/2025: 46 Prozent). 14 Prozent konnten hingegen ihre Umsätze im abgelaufenen Quartal steigern (Q1/2025: 10 Prozent) und bei 42 Prozent blieben die Umsätze konstant (Q1/2025: 44 Prozent). Für das kommende Quartal erwarten 27 Prozent der Betriebe eine Umsatzsteigerung, während 30 Prozent mit Umsatzrückgängen rechnen. 44 Prozent gehen von einer stabilen Umsatzentwicklung aus.
Betriebsauslastung: Schere geht auseinander
Bei der Betriebsauslastung sind sowohl am oberen als auch am unteren Rand Zuwächse zu verzeichnen. Einerseits ist der Anteil der Handwerksbetriebe, die eine Auslastung von mehr als 100 Prozent angeben, gegenüber dem Vorjahresquartal von 5 auf 9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist allerdings auch der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe, die maximal zu 60 Prozent ausgelastet sind, deutlich um 10 Prozentpunkte von 19 auf 29 Prozent gewachsen. Eine Auslastung zwischen 61 und 80 Prozent melden aktuell 34 Prozent der Betriebe (Q1/2025: 47 Prozent). Bei 28 Prozent lag die Auslastung – wie im Vorjahresquartal – zwischen 81 und 100 Prozent.
Die Zahl der Beschäftigten blieb im abgelaufenen Quartal bei 74 Prozent der Betriebe konstant (Q1/2025: 81 Prozent). Bei 7 Prozent ist sie gestiegen (Q1/2025: 4 Prozent) und bei 19 Prozent gesunken (Q1/2025: 15 Prozent). Hieraus ergibt sich wie bereits im Vorjahresquartal ein negativer Beschäftigungssaldo von 12 Prozentpunkten. Für das zweite Quartal 2026 rechnen 80 Prozent der Betriebe mit einer stabilen, 7 Prozent mit einer steigenden und 13 Prozent mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl.
Die wirtschaftspolitisch unsichere Lage hemmt auch die Investitionstätigkeit der Handwerksbetriebe: Während 19 Prozent ihre Investitionen erhöht haben (Q1/2025: 12 Prozent), sind sie bei 26 Prozent gesunken (Q1/2025: 12 Prozent). 55 Prozent berichten von gleichbleibenden Investitionen (Q1/2025: 76 Prozent). Für das kommende Quartal planen 17 Prozent höhere und 39 Prozent niedrigere Investitionen, während 44 Prozent mit gleichbleibenden Investitionen rechnen.
Kammerspitze fordert Reformen und Entlastungen
Ralf Rothenburger, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, zeigt sich durch den deutlichen Konjunktureinbruch alarmiert: „Unsere vergangenen Konjunkturumfragen waren bereits auf einem Niveau, das niemanden zufriedenstellen konnte. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Spannungen, die auch die deutsche Wirtschaft stark belasten, war kurzfristig keine Verbesserung zu erwarten. Dass wir jedoch auf ein Niveau zurückfallen, das zuletzt vor 16 Jahren erreicht wurde, ist ein harter Schlag für das Handwerk.“ Daher appelliert Rothenburger: „Die Politik muss dringend liefern! Auf Bundesebene braucht es spürbare Entlastungen für den Mittelstand. Und auf Landesebene muss sich schnellstmöglich eine neue, handlungsfähige Landesregierung formieren.“
Auch Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, sieht die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage mit Sorge: „Die aktuellen Rahmenbedingungen sind für das Handwerk äußerst herausfordernd. Es bleibt zu hoffen, dass die Talsohle erreicht ist. Neben kurzfristig sinnvollen Entlastungen braucht es auch Reformen, die die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe langfristig verbessern und wieder verlässliche Perspektiven bieten.“
Zur Konjunkturumfrage
Vierteljährlich werden Handwerksbetriebe der acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn-Franken, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Region Stuttgart, Reutlingen und Ulm zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die Erhebung erfolgt im Regelfall in den letzten beiden Wochen eines Quartals. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragung durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Die aktuelle Umfrage fand vom 9. bis zum 22. März 2026 statt.
Betriebsbesuchstag der Handwerkskammer Heilbronn-Franken im Landkreis Schwäbisch Hall und im angrenzenden Wüstenrot: Zu Gast bei drei familiären Traditionsbetrieben, die sich für die Zukunft gut gerüstet sehen.
Beim ersten Betriebsbesuchstag der Handwerkskammer Heilbronn-Franken im Jahr 2026 besuchten Präsident Ralf Rothenburger und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr kürzlich das Zimmergeschäft Kunz in Gaildorf, Steinmetz Wieland in Mainhardt sowie Dietrich Sargfabrikation in Wüstenrot. Die drei Betriebe sind seit Generationen in Familienhand – und werden es auch bleiben. Zwei von ihnen haben den Übergabeprozess in engem Austausch mit HWK-Unternehmensberaterin Christina Bauer bereits erfolgreich bewältigt. Beim dritten ist er in den kommenden Jahren geplant. Neben Bauer verschaffte sich auch die künftige Landtagsabgeordnete Lea Geldner (Grüne) gemeinsam mit der Kammerspitze vor Ort einen Eindruck von der Situation der Betriebe.
Qualitätsbewusste Zimmerei
„Bauen, gestalten, erhalten“ – so lautet das Motto des 1820 gegründeten Zimmergeschäfts Kunz in Gaildorf. Seit Anfang 2025 ist die siebte Generation am Start, nachdem Gerhard Kunz (62) den Familienbetrieb an seinen Sohn Benjamin (35) übergeben hat. „Uns war es wichtig, gemeinsam einen reibungslosen Übergang hinzubekommen – und das haben wir geschafft. Mein Vater unterstützt mich weiterhin tatkräftig und ist für mich ein wichtiger Ratgeber“, sagt Benjamin Kunz. Aktuell müsse sich die Zimmerei jedoch zahlreichen Herausforderungen stellen. „Die Menschen sind aufgrund der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation verunsichert und zurückhaltend. Dadurch werden auch die Aufträge in den Bereichen Neubau, Ausbau und Dachsanierungen weniger“, fasst Gerhard Kunz zusammen. Doch Vater und Sohn zeigen sich optimistisch. Gemeinsam mit ihrem 30-köpfigen Team und sieben Auszubildenden wollen sie auch diese Phase meistern – so wie schon viele Herausforderungen in der über 200-jährigen Unternehmensgeschichte. Neben höchster Qualität setzen sie dabei auf individuelle Beratung. So gibt es im neuen Bürogebäude unter anderem einen eigenen Ausstellungsbereich mit verschiedenen Treppen, Türen, Fenstern und Dachziegeln.
Nachhaltiger Steinmetzbetrieb
„Wir machen das Besondere“, sagt Wolfgang Wieland (33), Steinmetz- und Steinbildhauermeister sowie Steinrestaurator. Er stieg 2022 in den elterlichen Steinmetzbetrieb ein und übernahm diesen 2025 von seinen Eltern Walter (69) und Beate (63). Heute arbeiten die drei gemeinsam mit einem angestellten Meister weiterhin eng zusammen. Der Fokus des Handwerksbetriebs liegt derzeit noch klar auf der Gestaltung von Grabmalen in Mainhardt und im Umkreis von rund 15 Kilometern. Das Geschäft laufe aktuell gut, doch das Bestattungswesen befinde sich zunehmend im Wandel, berichtet Wieland: „Es gibt immer mehr Feuer- und immer weniger Erdbestattungen. Hinzu kommt der Trend zu Waldbestattungen statt Beisetzungen auf dem Friedhof. Dadurch werden weniger Grabsteine, sondern eher Grab- oder Gedenktafeln benötigt.“ Doch Wieland möchte in Zukunft auch weitere Geschäftsbereiche erschließen. „Die Restaurierung sowie die Herstellung individueller Produkte aus Stein, beispielsweise Skulpturen, sind Bereiche, die ich künftig weiter ausbauen möchte. Darüber hinaus setzen wir zunehmend auf Nachhaltigkeit und insbesondere auf die Kreislaufwirtschaft. So schenken wir recycelten Grabsteinen als Terrazzoboden ein zweites Leben“, gibt er einen Einblick in seine Zukunftspläne.
Innovative Sargfabrikation
„Der Sargbau ist in Deutschland nahezu tot“, lautet die Einschätzung von Brigitte Dietrich (65), Inhaberin der Sargfabrikation Dietrich in Wüstenrot. Gemeinsam mit ihrem Mann Norbert (59), den Söhnen Simon (32) und Alexander (27) sowie drei Angestellten produziert sie handgefertigte Särge, Urnen, Grabkreuze und Zubehör. Neben der sich wandelnden Bestattungskultur mache den wenigen verbliebenen deutschen Sargherstellern auch die günstigere Konkurrenz aus Osteuropa, speziell aus Polen, zu schaffen. Daher setzen die Dietrichs verstärkt auf eigene Innovationen: Dazu zählen ein komplett metallfreier Sarg mit einem patentierten Griffmechanismus sowie designgeschützte Herzgrabtafeln. „Wir möchten mit unseren qualitativ hochwertigen Produkten dazu beitragen, den Abschied von geliebten Menschen möglichst würdevoll zu gestalten“, so Brigitte Dietrich, die Bestatter sowie nationale und internationale Händler im Bestattungswesen beliefert. Die Brüder Simon und Alexander Dietrich, die die Sargfabrikation in fünfter Generation führen sollen, wollen vor allem das internationale Geschäft weiter ausbauen.
„Der arbeitet doch ganz offensichtlich schwarz – warum passiert da nichts?“ Solche Hinweise erreichen die Handwerkskammer Heilbronn-Franken regelmäßig. Der Frust rechtmäßig eingetragener Betriebe ist groß – und nachvollziehbar. Die Kammer geht deshalb gezielt gegen illegale Tätigkeit im Handwerk vor.
Schwarzarbeit im handwerksrechtlichen Sinne liegt vor, wenn ein zulassungspflichtiges Handwerk ohne entsprechende Eintragung in der Handwerksrolle ausgeübt wird. Im vergangenen Jahr konnte die Handwerkskammer in 48 Fällen erfolgreich gegen Betriebe vorgehen, die nicht ordnungsgemäß eingetragen waren. In allen Fällen wurden bei den zuständigen Ordnungsbehörden Untersagungsverfahren angestoßen. Zudem verhängten die Behörden Bußgelder in Höhe von insgesamt 62.821 Euro inklusive Gebühren.
Eintragungspflicht bereits vor der Gründung
Wer ein Handwerksunternehmen gründet, muss sich bereits vor der Gewerbeanmeldung bei der Handwerkskammer registrieren lassen. Diese prüft, ob die geplante Tätigkeit zulassungspflichtig ist und somit in die Handwerksrolle eingetragen werden muss. Erfolgt fälschlicherweise zunächst eine Gewerbeanmeldung, wird die Kammer durch das Gewerbeamt informiert.
Die Eintragung ist an klare Voraussetzungen geknüpft: Der Inhaber oder ein angestellter Betriebsleiter muss einen Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation vorweisen. Ist dies nicht der Fall, darf er die entsprechende handwerkliche Leistung nicht anbieten. Tut er dies dennoch, informiert die Handwerkskammer die zuständigen Behörden und beantragt ein Untersagungsverfahren. Diese übernehmen die weitere Prüfung, da die gesetzliche Zuständigkeit für die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten bei Landratsämtern, großen Kreisstädten und Stadtkreisen liegt. Sie können den Betrieb untersagen und Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängen.
Wettbewerbsverzerrung zulasten eingetragener Betriebe
Dass viele Unternehmen die Voraussetzungen für eine Eintragung nicht erfüllen, hat einen guten Grund: Meisterqualifikationen zu erwerben kostet Zeit und Geld – genau wie die laufenden Kosten eines Unternehmens. „Eingetragene Handwerksbetriebe investieren erheblich – etwa in Qualifikation, angestellte Betriebsleiter und Kammerbeiträge – und stehen dann im Wettbewerb mit Anbietern, die diese Anforderungen umgehen“, erklärt Martin Weiß, Abteilungsleiter Recht der Handwerkskammer. „Das führt zu erheblichen Preisunterschieden. Betriebe ohne Eintragung können ihre Leistungen rund 25 Prozent günstiger anbieten. Das ist schlicht unfair.“
Nach Angaben der Handwerkskammer arbeiten alle beteiligten Stellen an der Aufklärung und Verfolgung solcher Fälle. In der Praxis sei die Durchsetzung jedoch oft schwierig. Verstöße müssten eindeutig nachgewiesen werden – insbesondere, wer wann und in welchem Umfang tätig war. Da häufig Absprachen getroffen und Barzahlungen genutzt würden, seien Belege schwer zu sichern. Hinzu komme eine angespannte Personalsituation in vielen Ordnungsämtern, die eine lückenlose Kontrolle zusätzlich erschwere.
Interessierte, die eine nebenberufliche Selbstständigkeit im Handwerk planen, erhalten im Web-Seminar „Gründen im Handwerk im Nebenerwerb“ der Handwerkskammer Heilbronn-Franken wertvolle Tipps und fundiertes Fachwissen für einen erfolgreichen Start. Referent Andreas Kolban, Unternehmensberater der Handwerkskammer, gibt einen Überblick über die wichtigsten Schritte der nebenberuflichen Gründung im Handwerk. Dabei erläutert er unter anderem die Gewerbeanmeldung sowie die Eintragung in die Handwerksrolle. Darüber hinaus werden rechtliche und sozialversicherungsrechtliche Aspekte, Versicherungsfragen und die Grundlagen zur Erstellung eines Businessplans behandelt. Das Web-Seminar findet am Donnerstag, 16. April 2026, von 16:00 bis 17:00 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich unter: www.hwk-heilbronn.de/web-seminar. Für Rückfragen steht Andreas Kolban zur Verfügung: Telefon: 09341 9251-20, E-Mail: andreas.kolban@hwk-heilbronn.de.