Landratsamt Heilbronn | 30.06.2026
Seit Mai erreichen das Kreisforstamt Heilbronn zahlreiche Meldungen über neu aufgetretene Nester des Eichenprozessionsspinners. Auch die Forstunternehmer und Revierleitungen beobachten bei ihrer täglichen Arbeit im Wald, dass vor allem an Waldrändern, in jungen bis mittelalten und lichten
Eichenwäldern viele Nester neu und örtlich flächig auftauchen. Deshalb ist es wichtig sich über den Eichenprozessionsspinner zu informieren und ein paar Hinweise zum Vorbeugen vor Gesundheitsgefahren zu beachten.
Was steckt hinter dem Namen?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein nachtaktiver Falter, der vor allem auf Eichen lebt. Seinen Namen verdankt er dem typischen Verhalten seiner Raupen: Sie wandern nachts in langen Kolonnen – sogenannten Prozessionen – zu ihren Fraßstellen. Seit den 1990er Jahren breitet er sich durch den Klimawandel verstärkt in Deutschland aus und bevorzugt besonnte Waldränder, lichte Eichenwälder, sowie Parkanlagen, in denen Eichen stehen.
Warum sind die Raupen gefährlich?
Ab dem dritten Larvenstadium, meist ab Mai, bilden die Raupen mikroskopisch feine Brennhaare aus, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese Härchen brechen leicht ab und werden vom Wind verteilt – ein Kontakt kann also auch ohne direktes Berühren entstehen. Typische Folgen sind
stark juckende Hautausschläge oder Pusteln, gerötete Augen und Reizungen der Atemwege. In seltenen Fällen sind sogar schwere allergische Reaktionen möglich.
Was tun bei Kontakt?
Wer Kontakt mit Brennhaaren hatte, sollte sofort die Kleidung wechseln und gründlich duschen. Die Kleidung bei mindestens 60 Grad separat waschen. Bei Augen- oder Atembeschwerden umgehend einen Arzt aufsuchen.
Eine Gefahr für die Eiche? Nur für geschwächte Bäume.
Für den Baum selbst ist der Befall meist unproblematisch. Derzeit sind die Eichen nur in Teilen der Krone befressen und im Juni treiben die Eichen nach dem Fraß in der Regel wieder aus. Das Forstamt verzichtet deshalb bei dem aktuellen Befallszustand und der derzeitigen Fraßschädigung der Eichen
auf eine Pflanzenschutzbehandlung.
Nach bisherigen Erfahrungen führt erst wiederholter starker Befall mit Kahlfraß und in Kombination mit Trockenheit oder weiteren Schädlingen zu einer dauerhaften Schwächung der Eichen. Der Schmetterling ist also in erster Linie ein Problem für den Menschen – nicht aber für die Bäume und
den Wald selbst.
Verfasser: Kreisforstamt Heilbronn, Julia Stahl und Armin Jacob
Stand: 30.06.2026
